Wer ein schmales Handgelenk hat, kennt die übliche Abwägung. Eine 34-mm-Uhr findet sich leicht, solange es eine klassische Dresswatch ist. Eine Sportuhr mit echter Wasserdichtigkeit, verschraubter Krone und einem Armband für den Alltag kommt meist mit 38, 39 oder 40 mm daher, und ihre Bandanstöße ragen über ein Handgelenk von 15 cm hinaus. Anfang November hat NOMOS Glashütte seiner kleinsten Sportuhr eine vierte Version hinzugefügt, die Club Sport neomatik 34 all silver. Sie lässt sich als direkte Antwort auf dieses Problem lesen und nicht als weitere Zifferblattfarbe.

Die neue Referenz reiht sich neben die Versionen in Gold, Rosé und Violett derselben 34-mm-Uhr ein. Verändert hat sich das Zifferblatt: versilbert mit Sonnenschliff, weiße Leuchtziffern und -indizes, rhodinierte Zeiger und ein einziger Farbtupfer im goldenen Schriftzug „neomatik“. Diese Zurückhaltung ist wichtiger, als es scheint; dazu weiter unten mehr.

Frontansicht der NOMOS Club Sport neomatik 34 all silver mit silbernem Sonnenschliff-Zifferblatt und Edelstahlarmband
Das rein silberne Zifferblatt behält nur einen Farbakzent: den goldenen Schriftzug „neomatik“. Foto: NOMOS Glashütte.

Kurz gesagt

Für ein Handgelenk von etwa 15 bis 16 cm ist dies eine der überzeugenderen kleinen Sportuhren eines etablierten Herstellers: Die Abmessungen sind wirklich kompakt, die sportliche Ausstattung wird nicht verwässert, und das Werk stammt von NOMOS selbst. Die Kompromisse sind eine Gangreserve von bis zu 43 Stunden und ein helles, reflektierendes Zifferblatt, das nicht jedem Käufer einer Tool-Watch zusagt.

Die Maße, die über den Sitz entscheiden

Der Durchmesser ist die Zahl, die die meisten Käufer zuerst prüfen, und für sich allein die am wenigsten aussagekräftige. Bei kleinen Handgelenken entscheiden meist Bandanstoß-Abstand (Lug-to-Lug) und Bauhöhe darüber, ob eine Uhr stimmig wirkt. NOMOS gibt die Club Sport neomatik 34 mit 34,0 mm Durchmesser, 41,5 mm von Bandanstoß zu Bandanstoß und 8,2 mm Höhe an. Die Bandanstöße stehen 18 mm auseinander, sodass das Armband in den Proportionen zum Gehäuse bleibt, statt zu einem breiten Band zu werden.

Club Sport neomatik 34 all silver im Überblick

Referenzen
758 (Saphirglasboden), 758.SB (Edelstahlboden)
Gehäuse
Edelstahl, 34,0 mm, 8,2 mm hoch, 41,5 mm von Bandanstoß zu Bandanstoß
Wasserdichtigkeit
20 atm, verschraubte Krone mit rotem Warnring
Werk
NOMOS DUW 3001, Automatik, 3,2 mm hoch, bis zu 43 Stunden Gangreserve
Armband
Club-Sport-Edelstahlarmband, 18 mm, Schnellwechsel-Federstege
Listenpreis
2.960 EUR (758) und 2.660 EUR (758.SB) im deutschen NOMOS-Shop

So lassen sich diese Zahlen praktisch nutzen: Man misst die flache Oberseite des Handgelenks von Kante zu Kante, nicht den Umfang. Ist diese Breite größer als etwa 42 mm, sollten die Bandanstöße dieser Uhr innerhalb davon bleiben. Bei einem Handgelenk von 15 cm Umfang ist das oft der Fall, wobei die Handgelenkform stärker variiert, als Größentabellen zugeben. Die eigenen Produktbilder von NOMOS sind beim Zielmaß ehrlich: Sie weisen aus, dass die abgebildeten Träger Handgelenkumfänge von 15 und 16 cm haben.

Seitenprofil der NOMOS Club Sport neomatik 34 all silver mit der Gehäusehöhe von 8,2 mm
Mit 8,2 mm ist das Gehäuseprofil bei einer Sportuhr am schmalen Handgelenk die entscheidende Zahl. Foto: NOMOS Glashütte.

Woher die flache Bauweise kommt

Die Höhe ist hier der stille Vorteil. Viele kleine Sportuhren verkleinern den Durchmesser, behalten aber ein hohes Gehäuse, sodass sie wie eine hochkant stehende Münze sitzen und an Manschetten hängen bleiben. Die Club Sport neomatik 34 bleibt bei 8,2 mm, weil ihr Automatikwerk flach ist: NOMOS gibt für das Kaliber DUW 3001 eine Höhe von 3,2 mm und einen Durchmesser von 28,8 mm an, mit beidseitig aufziehendem Rotor und dem hauseigenen Swing-System mit blau gebläuter Unruhspirale.

Der Preis dafür ist die Ausdauer. NOMOS nennt eine Gangreserve von bis zu 43 Stunden. Das reicht für einen normalen Tag samt Nacht, doch eine Uhr, die am Freitagabend abgelegt wird, muss am Montagmorgen womöglich neu gestellt werden. Für eine erste ernsthafte Uhr, die an den meisten Tagen getragen wird, ist das eine beherrschbare Gewohnheit. Wer mehrere Uhren im Wechsel trägt, sollte es vor dem Kauf wissen.

Sportliche Substanz statt Sport-Optik

Bei der Ausstattung verdient diese Uhr das Wort „Sport“. Das Edelstahlgehäuse ist verschraubt, die Krone ist verschraubt, und ein roter Ring wird sichtbar, wenn die Krone nicht ganz geschlossen ist – eine einfache Absicherung gegen die häufigste Ursache für Wasserschäden. NOMOS gibt das Gehäuse mit 20 atm an und bezeichnet es als tauchtauglich; der in den Gehäuseboden gravierte Wal ist das Markenzeichen für diese Einstufung. Das Glas ist ein gewölbtes Saphirglas mit beidseitiger Entspiegelung.

Herausgeschraubte Krone der NOMOS Club Sport neomatik 34 mit rotem Warnring und der Markierung 20 ATM auf dem Gehäuseboden
Ein roter Ring erscheint, wenn die verschraubte Krone nicht ganz geschlossen ist; der Wal auf dem Gehäuseboden markiert 20 atm. Foto: NOMOS Glashütte.

Wasserdichtigkeit bleibt ein geprüfter Zustand und keine dauerhafte Eigenschaft. Dichtungen altern, und eine Uhr, die im Meer getragen wird, sollte bei den Serviceintervallen auf ihre Dichtigkeit geprüft werden. Der Ausgangspunkt ist aber ein echter.

Warum das rein silberne Zifferblatt die Aufgabe verändert

Die früheren Zifferblätter in Gold, Rosé und Violett machen die 34-mm-Club-Sport zur Statement-Uhr. Die All-Silver-Version macht sie zur Alltagsuhr. Ein monochromes Zifferblatt wirkt wie ein Teil von Gehäuse und Armband und nicht wie eine farbige Scheibe am Handgelenk; diese Durchgängigkeit lässt eine kleine Uhr meist gewollt statt zu klein aussehen. Zugleich erweitert sie die Anlässe: Am einen Tag zum Anzug, am nächsten zur Badekleidung – von den vier Zifferblättern lässt sich Silber am leichtesten tragen.

Zwei Einschränkungen gibt es. Eine silberne Fläche mit Sonnenschliff reflektiert, daher hängt die Ablesbarkeit bei hellem Licht stärker vom Blickwinkel ab als bei einem matten schwarzen oder blauen Zifferblatt. Und weiße Leuchtziffern auf hellem Grund liefern bei Tageslicht weniger Kontrast als auf dunklem; ihren Vorteil spielen sie nach Einbruch der Dunkelheit aus, wenn das Super-LumiNova von NOMOS blau leuchtet.

NOMOS Club Sport neomatik 34 all silver an einem schmalen Handgelenk mit cremefarbenem Ärmel
NOMOS fotografiert die 34-mm-Serie an Handgelenken von 15 und 16 cm, und das ist der richtige Test für diese Größe. Foto: NOMOS Glashütte.

Welcher Gehäuseboden, und was im Laden zu prüfen ist

Die beiden Referenzen unterscheiden sich nur auf der Rückseite. Die Ref. 758 hat einen Saphirglasboden, der das DUW 3001 zeigt; die Ref. 758.SB hat einen gravierten Edelstahlboden und kostet im deutschen NOMOS-Shop 300 EUR weniger. In Großbritannien führt NOMOS dieselben Modelle für 2.960 GBP und 2.660 GBP. Der Sichtboden ist das interessantere Objekt, der Stahlboden das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn der Blick aufs Werk keine Rolle spielt.

Vor dem Kauf sollten am eigenen Handgelenk drei Dinge geprüft werden. Erstens, ob die Endglieder der Krümmung des Handgelenks folgen oder abstehen, denn ein integriertes Armband entscheidet über den Sitz ebenso mit wie das Gehäuse. Zweitens, ob sich die Schließe fein genug einstellen lässt; NOMOS sagt, das Club-Sport-Armband lasse sich individuell anpassen, doch bei einem schmalen Handgelenk müssen womöglich vom Händler Glieder entfernt werden. Drittens, ob das Zifferblatt bei normalem Licht auf einen Blick ablesbar ist.

Urteil der Redaktion: Empfehlenswert

Ideal für: Handgelenke von etwa 15 bis 16 cm, die eine Stahluhr für Schwimmen, Arbeit und Abende suchen.

Kaufen, wenn: Sie auf eine kompakte Automatikuhr mit verschraubter Krone und 20 atm gewartet haben und ein monochromes Modell einem farbigen vorziehen.

Abwarten, wenn: Sie Uhren länger als einen Tag am Stück ungetragen lassen oder ein mattes, kontrastreiches Zifferblatt für den Einsatz im Freien wünschen.

Eine kleine Uhr ohne Abstriche

Der Wert der Club Sport neomatik 34 all silver liegt nicht in der Neuheit. Sie behandelt ein schmales Handgelenk als Hauptkunden und nicht als Nachgedanken: Die Länge von Bandanstoß zu Bandanstoß, die Höhe von 8,2 mm und das 18-mm-Armband sind für dieses Handgelenk gewählt, während Wasserdichtigkeit und hauseigenes Automatikwerk dieselben Zusagen sind, die auch eine größere Sportuhr machen würde. Passt die Größe in der Praxis, bleiben nur noch Fragen des Geschmacks und der Gangreserve – kein Grund, sich mit weniger zufriedenzugeben.